Elmshorn für Anfänger

Geschichten von einer, die auszog, im Hamburger Speckgürtel zu leben. Eine pragmatische Liebeserklärung.

Bemalte Steine auf Wanderschaft: Was es mit den Elbstones auf sich hat

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Vielleicht habt ihr beim Spazieren durch Elmshorn ja auch schon mal einen bunt bemalten Stein entdeckt und euch ein bisschen darüber gewundert. Was steckt hinter diesem Trend, gewöhnliche Steine bunt zu verzieren, mit dem Hashtag #elbstone zu kennzeichnen und sie irgendwo im Freien auszulegen?

Meinen ersten (und bislang einzigen) Elbstone entdeckte ich Ende Juli auf dem Rückweg von einem abendlichen Spaziergang am Flamweg. Er lag auf einem Stromverteilerkasten neben dem Netto-Markt. Ein schlichtes rotes Herz auf blauem Grund auf der einen, ein weißes Facebook-Zeichen und das Stichwort ‚elbstones‘ auf der anderen Seite.

Steine finden, bemalen, lackieren und draußen aussetzen

Ich freute mich, steckte den Stein in die Tasche und schaute zu Hause nach, was es mit dieser Sache wohl auf sich hat. Und ich entdeckte tatsächlich ein ganz neues kleines Paralleluniversum, von dessen Existenz ich bis dato keine Ahnung hatte. Die Spielregeln sind einfach: Man sammelt schlichte kleine Steine, wie sie Kinder gern in ihren Hosentaschen herumtragen, bemalt und lackiert sie und legt sie irgendwo im Freien aus, damit Fremde sie finden und sich darüber freuen. Wer einen Stein findet, darf ihn entweder behalten oder selbst wieder irgendwo auswildern. Wer ein Facebook-Account hat, kann seinen Fund fotografieren und in der entsprechenden Gruppe posten – das freut dann wiederum die Steinemalerin.

Unzählige Steinmalgruppen in ganz Deutschland

Der Trend scheint aus England nach Deutschland herübergeschwappt zu sein. In der Facebook-Gruppe Elbstones ist nachzulesen, dass allein in Deutschland seit Frühling/Sommer 2018 etwa 125 neue Gruppen entstanden sind. Auch der NDR hat schon einmal darüber berichtet. Die Elbstones-Gruppe war offenbar schon sehr früh mit dabei. Sie hat ihren Ursprung in Lauenburg an der Elbe, daher auch der Name Elbstones. Die Elbsteine scheinen besonders wanderlustig zu sein, jedenfalls ist diese Gruppe mittlerweile überregional vertreten. In unserer näheren Umgebung gibt es zum Beispiel die #torneschstones, den Barmstedter Steinchen-Stammtisch und die Hörnerdörfer Steine in Brande-Hörnerkirchen.

Miniaturkunstwerke, Comics und abstrakte Motive

Beim Bemalen der Steine sind der Fantasie keine Grenzen gesetzt. Als ich mich durch die vielen Beiträge in der Elbstones-Gruppe bei Facebook durchgeklickt habe, war ich wirklich baff, wieviel Kreativität, Zeit und künstlerisches Talent zum Teil ins Steinemalen einfließen. Manche Hobbykünstlerinnen (mein Eindruck ist, dass das Steinebemalen ein überwiegend weibliches Hobby ist) bannen echte Miniaturkunstwerke auf ihre Steine, andere lassen sich von Comics inspirieren, wieder andere bemalen die Steine mit abstrakten Motiven oder lassen sich bei der Gestaltung von der Form und Textur des Steins leiten. Erlaubt ist, was gefällt. Gelegentlich liest man Aufrufe, Troststeine für schwerkranke Kinder oder andere schicksalsgebeutelte Menschen zu gestalten. In jedem Fall wird einem bei Facebook nicht langweilig, wenn man sich dieser Gruppe anschließt.

Acrylstifte sind in den meisten Bastelläden ausverkauft

Da ich mich selbst auch gern kreativ austobe, machte ich mich nach meinem ersten Elbstone-Fund natürlich auch gleich ans Werk. Ich holte meine Acrylfarben und Pinsel aus dem Keller, bemalte drei Steine und versiegelte alles am Ende mit Klarlack. Schließlich soll die Farbe auch Wind und Wetter standhalten – und nicht abblättern und in die Umwelt gelangen. Wie ich inzwischen weiß, malen allerdings die wenigsten Elbstones-Künstlerinnen mit dem Pinsel. Die meisten nutzen Acryl-Stifte, die aufgrund des aktuellen Elbstones-Hypes in den meisten Bastelläden regelmäßig ausverkauft sind.

Bislang noch kein Lebenszeichen von meinen bemalten Steinen

Bei unserem nächsten Abendspaziergang wilderten mein Mann Christoph und ich dann vier Steine aus: meine drei selbst gestalteten und den einen gefundenen. Was aus ihnen danach geworden ist, kann ich nicht sagen, denn ihre Spur hat sich für mich verloren. Ich habe zumindest in der Facebook-Gruppe keinen Hinweis auf ihren Verbleib gefunden. Das finde ich aber auch nicht weiter tragisch. Es wird sie wohl jemand gefunden, sich darüber gefreut und sie in die Tasche gesteckt haben – und das ist ja die Hauptsache.

Typische Facebook-Gruppendynamik…

Anderen Leuten in der Facebook-Gruppe scheint es aber sehr wichtig zu sein, dass jemand den Fund ihrer Steine postet. Ich lese regelmäßig Beiträge, in denen es sinngemäß heißt: „Ich habe jetzt schon soundsoviele Steine bemalt und ausgelegt, aber noch nie ist hier einer wieder bei Facebook aufgetaucht, das macht mich echt traurig.“ Überhaupt nehmen manche das Steinebemalen offenbar sehr ernst. Da wird über Regeln ebenso ausdauernd diskutiert („Muss man alle Steine wieder auswildern oder darf man sie auch behalten, wenn sie einem besonders gut gefallen?“ oder „Darf ich die Steine auch mit Serviettentechnik gestalten?“ oder „Warum man Steine nicht auf Autos, Privatgrundstücken etc. ablegen sollte“) wie über guten Geschmack (etwa wenn jemand das Foto eines Steins postet, auf dem ein Hundehaufen zu sehen ist – begleitet von dem Kommentar, sie werde diesen Stein neben die Hinterlassenschaften von Hunden legen, deren Besitzer keine Hundebeutel nutzen). Typische Facebook-Gruppendynamik eben, ich halte mich da lieber raus…

Weitere Steine habe ich bislang nicht bemalt, aber auch ohne mein Zutun sind in Elmshorn offenbar recht viele Steine auf Wanderschaft. Wenn ihr also auch einmal irgendwo in der Stadt einen bemalten Stein entdeckt, dann wisst ihr nun, aus welchem Paralleluniversum er stammt! 🙂

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