Elmshorn für Anfänger

Geschichten von einer, die auszog, im Hamburger Speckgürtel zu leben. Eine pragmatische Liebeserklärung.

Back to the roots: Elmshorn bekommt wieder sein eigenes Rotbier!

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Man lernt ja nie aus, besonders wenn es um Historisches geht. In der Vergangenheit ist einfach schon unglaublich viel passiert – auch in Elmshorn! Neulich also habe ich gelernt, dass Elmshorn auf eine lange Biertradition zurückblickt: Zuletzt gab es vor über 100 Jahren eine Brauerei in Elmshorn, die vor allem für ihr Rotbier bekannt war. Und nun wird diese Rotbier-Tradition wiederbelebt.

Meine Extrastunde Geschichtsunterricht fand am 25. Januar 2019 im Wasserturm statt, eingeladen hatten Thomas und Lutz von der Elmshorner Craftbier-Brauerei Brewing Pack, über die ich an dieser Stelle ja schon einmal berichtet hatte. Die beiden experimentieren schon eine ganze Weile mit alten Rezepten für Elmshorner Rotbier, die sie u. a. mit Hilfe des Industriemuseums ausgegraben haben. Im Wasserturm boten sie nun knapp 40 Gästen die drei Rotbiere an, die bei ihren Braustudien herausgekommen sind.

Bierbrauen war früher Frauensache

Doch erst einmal ein paar historische Fakten. Ein wichtiger Grund für’s Biertrinken war früher die schlechte Qualität des Trinkwassers – im Bier waren weniger Krankheitserreger enthalten, daher wurde es auch Schwangeren und Kindern empfohlen. Das Bierbrauen selbst war Frauensache: Bevor es den Kaffeeklatsch gab, saßen die Frauen beim Bier zusammen und tauschten sich über ihre persönlichen Bierrezepte aus. Erst als der Kaffee hierzulande Einzug hielt, verdrängte er das Bier als Frühstücks- und Frauenschnack-Begleitgetränk. Elmshorn war für sein Rotbier sogar über die Stadtgrenzen hinaus bekannt, anscheinend wurde es insbesondere auch nach Barmstedt exportiert. Die folgenden Bilder haben Thomas und Lutz bei ihren Recherchen im Industriemuseum ausgegraben, wo übrigens in wenigen Tagen eine Sonderausstellung zur (Elmshorner) Trinkkultur eröffnet wird. Wer mehr über die historische Bierbraukunst in dieser Stadt erfahren möchte, sollte sich also einmal diese Ausstellung merken.

Drei gute Gründe für eine Bierprobe im Wasserturm

Doch zurück in die Gegenwart! Ich fand das Rotbier-Tasting aus mehreren Gründen reizvoll: Zum einen war es eine schöne Gelegenheit, mal wieder den Wasserturm zu besuchen, den ich mir erstmals 2015 am „Tag des Denkmals“ von innen angeschaut hatte. Zweitens war ich neugierig auf die alte Elmshorner Rotbier-Tradition, von der ich zuvor noch gar nichts gehört hatte. Und drittens hatte ich auch Lust, die neuen Biersorten auszuprobieren und gemeinsam mit den anderne Gästen abzustimmen, welches der drei Rotbiere letztendlich in den Elmshorner Handel gelangen soll.

Fünf Flaschen Bier machen bei mir Brummschädel

Zum Glück wohne ich nicht weit entfernt vom Wasserturm und war zu Fuß dorthin gegangen. Sicherlich eine weise Entscheidung, da ich im Laufe des Abends nicht nur drei, sondern sogar fünf ganze Flaschen (à 0,33 Liter) zum Probieren bekam. Und anders als bei manchen Weinproben standen auf den Tischen zwar Käsewürfel, Laugengebäck und Salzstangen, aber keine Spucknäpfe, in die man das Gebräu wieder entsorgen konnte, nachdem die Geschmacksnerven ihre Analyse abgeschlossen hatten. Da ich derartige Mengen Bier überhaupt nicht gewohnt bin, hatte ich am nächsten Tag leider doch einen leichten Brummschädel.

Dafür waren die drei Rotbiersorten (zu den anderen beiden verkosteten Bieren später noch mehr) sehr lecker. Als gewissenhafte Journalistin habe ich mir sogar Notizen gemacht, wie ich den Geschmack mit ein paar blumigen Worten beschreiben könnte. Hier also meine fein säuberlich dokumentierten Eindrücke:


Zwischen diesen drei Biersorten durften wir also abstimmen und damit das bestimmen, das künftig unter dem Namen „Dat Roote“ in den Handel gelangen soll. Zum Glück brachte die Wahl genau das Ergebnis, das ich mir gewünscht hatte: Auf dem ersten Platz landete mit 19 Stimmen Bier Nummer Zwo, gefolgt von Bier Nummer 1, das 15 Leuten am besten geschmeckt hatte. Das kräftige, eher hopfige Rotbier hatten nur 3 Leute zu ihrem persönlichen Favoriten gekürt, es war damit ganz eindeutig raus.

So ungefähr könnte das Etikett für das neue Retro-Rotbier aus Elmshorn aussehen
(Foto: Brewing Pack)

Doch dann überraschten und Thomas und Lutz mit zwei weiteren Bieren, die sie in ihrer Versuchsküche zusammengebraut hatten: zum einen ein weiteres Rotbier, das zum Stichtag noch nicht ganz fertig vergoren war und damit quasi das Bier-Pendant zu einem Federweißen darstellte. Und zum anderen das Flora Pale Ale, dessen Name bereits verrät, dass es kein Rotbier ist. Dafür ist es komplett fertigkomponiert und wird in Kürze in den Handel kommen.

Fazit: Ich hatte einen spannenden, lustigen und feucht-fröhlichen Abend, habe ein paar Dinge über die Elmshorner Biertradition gelernt, mehr Bier getrunken als ich es von Haus aus gewohnt bin – und bin nun gespannt darauf, wie dieses Retro-Bier letztlich bei den Elmshornerinnen und Elmshornern ankommt.

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