Elmshorn für Anfänger

Geschichten von einer, die auszog, im Hamburger Speckgürtel zu leben. Eine pragmatische Liebeserklärung.

Wer betreibt eigentlich diesen ganzen Vodoo-Zauber mit Elmshorn?

Ein Kommentar

Elmshorn macht seit ein paar Wochen eine ganze Menge blöde Schlagzeilen. Es drängt sich ein bisschen der Verdacht auf, dass hier schwarze Magie im Spiel ist. Möglicherweise ist Elmshorn Opfer eine bösen Vodoo-Attacke geworden. Irgendjemand scheint da zu sitzen und eine Vodoo-Puppe in der Form der Umrisse unserer Stadt mit spitzen Nadeln zu malträtieren – und die dickste Zaubernadel steckt im Herzen der Stadt, im Bahnhof…

Wer hier in Elmshorn lebt und gelegentlich entweder vor die Tür geht oder die Zeitung aufschlägt, der konnte sich in den vergangenen Wochen eine Menge weniger schöner Geschichten über Elmshorn zu Gemüte führen. Ein wirklich wunder Punkt ist derzeit der Bahnhof. Ohnehin eher ein Schandmal dieser Stadt, dessen Neugestaltung die Bürgerinnen und Bürger seit vielen Jahren vergeblich herbeisehnen, hat er nun auch mehr oder weniger aufgehört zu funktionieren.

An die vielen Baustellen auf Bundesstraßen und Autobahnen in und um Elmshorn, aufgrund derer man für jede Autofahrt deutlich mehr Zeit einplanen muss, hatten wir uns ja schon beinahe gewöhnt. Doch dann ergriff der Vodoo-Zauber auch den öffentlichen Personennahverkehr. Den Anfang machten Bauarbeiten an einigen Weichen zwischen Pinneberg und Elmshorn, die alle Fahrpläne durcheinanderbrachten. So lange wie sie andauerten, hätte man eigentlich erwarten können, dass sich eine gewisse Routine bei der Bekanntgabe der Fahrplanänderungen einstellt. Doch wer das Internetportal bahn.de konsultierte, bekam oft ganz andere Informationen als über die Smartphone-App der Deutschen Bahn und nochmal andere als an den Informationstafeln am Bahnsteig. Und die Lautsprecheransagen? Ach ja, die machten das Verwirrspiel dann komplett.

Zugunglück: Entgleiste Waggons auf gesperrter Strecke

Dann war da eine Regionalbahn, die kurz nach Verlassen des Bahnhofs in Teilen entgleiste und halb aus den Gleisen kippte. Inzwischen weiß man: Der Zug war fälschlicherweise über ein Gleis geleitet worden, das gar nicht freigegeben war, weil ein Schienenabschnitt fehlte. Nicht auszudenken, was geschehen wäre, wäre ein durch den Elmshorner Bahnhof hindurchbrausender ICE in diese Falle geraten! Mehrere Tage lang ging am Elmshorner Bahnhof gar nichts mehr, weil die entgleisten Waggons mit Spezialkränen aus dem Gleisbett gehoben und die Oberleitungen für die Bergung abgebaut werden mussten. Mit diesem Zugunglück schaffte es Elmshorn nicht nur in die Lokal- und Regionalmedien, sondern auch in die überregionale Presse wie die Zeit.

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Am Abend nach dem Zugunglück warfen wir bei einem Spaziergang durch die nebelige Stadt auch einen Blick auf die entgleisten Waggons

Tieflader hängt unter Bahnunterführung fest

Kaum war dieses Chaos beseitigt, entschloss sich vor ein paar Tagen der Fahrer eines fetten Tiefladers, mit seinem hohen Gefährt unter der Steindammbrücke hindurchzufahren, die nur für Fahrzeuge von maximal 2,40 Meter Höhe zu passieren ist. In einer Elmshorner Facebook-Gruppe war zu lesen, dass der Fahrer offenbar sogar noch versucht hat, weiterzufahren, obwohl er sich mit seinem Fahrzeug fest verkeilt hatte – und die Autorin des Beitrags hatte vom anderen Gleis aus beobachtet, wie die Schienen auf dem betroffenen Gleis sich bei dem Geruckel an der Brücke anhoben. Wieder kam es zu Zugausfällen und Verspätungen, wenn auch nicht gleich tagelang.

Tiere auf den Gleisen

Galgenhumor in diversen Facebook-Gruppen

Ach ja, und dann war da noch, nur einen Tag später, diese Meldung über einen Polizeieinsatz wegen freilaufender Tiere auf den Gleisen, die ebenfalls erst einmal den Zugverkehr lahmlegten. In der Facebook-Gruppe „Du bist ein echter Elmshorner, wenn…“ machte daraufhin folgende Liste die Runde:

… wenn du die wichtigsten Entschuldigungen bei Bahnfahrten aus Elmshorn zur Arbeit kennst.
1.) Der Zug ist entgleist
2.) Auf den Schienen lagen Bäume
3.) Auf den Schienen lag Laub
4.) Auf den Schienen stand ein anderer Zug
5.) Stellwerkstörung in Elmshorn
6.) Störung am Bahnübergang bei Tornesch
7.) In der Unterführung am Bahnhof Elmshorn steckte ein Lkw. Von beiden Seiten.
8.) Der Zug war kaputt. Wir mussten alle in Pinneberg aussteigen
9.) Ein unbekannter Gegenstand stand am Hauptbahnhof
10.) Personen im Gleis bei der Einfahrt nach Altona
11.) Jemand saß auf der Ost-West-Brücke
12.) Die Weichen waren eingefroren
13.) Der Zug fuhr, aber wir haben auf freier Strecke dreimal angehalten. Den Rest der Zeit konnte man unterwegs Blumen pflücken.
14.) Ich kam die Treppe hoch, und alle Züge fielen aus. Warum, konnte keiner sagen. Eineinhalb Stunden später fuhren alle Züge wieder. Warum, konnte keiner sagen.
15.) Ich kam die Treppe hoch, und alle Züge fuhren. Vor Überraschung bin ich die Treppe heruntergefallen.

Rechte Hetze gegen den Elmshorner Lichtermarkt und seinen süßen Werbeengel

Doch damit nicht genug. Nicht nur der Bahnhof beschert uns dieser Tage schlechte Nachrichten, auch Erika Steinbach ist nicht ganz unschuldig. Die Rechtsaußen-Politikerin empörte sich auf Twitter über die Elmshorner Tradition des Lichtermarkts, der ihrer Auffassung nach nur wegen der Flüchtlinge nicht mehr Weihnachtsmarkt heißen darf. (Nur nebenbei bemerkt: Stimmt nicht. Der Elmshorner Lichtermarkt heißt schon seit 2007 so, und das dunkelhäutige Mädchen, über das Erika Steinbach sich mokiert, ist zum einen Deutsche und ziert das Werbeplakat für den Lichtermarkt ebenfalls bereits seit 2011.)

Bürgermeister Hatje ärgerte sich über hässliche Schreiben aus Sachsen

Was darauf folgte, war eine unschöne Welle, anhand der man die Bedeutung des neudeutschen Wortes „Shitstorm“ sehr schön erklären kann. Sämtliche Medien berichteten, und Bürgermeister Hatje musste sich neben aktuellem Bahnchaos und Dauer-Nervthema Innenstadtumbau auch mit hässlichen Briefen und E-Mails aus Sachsen herumärgern. Immerhin: Die Pressemitteilung, mit der die Stadt auf die absurden Anfeindungen kommentierte, fand ich vorbildlich: „Wir lassen uns auf keine Diskussion ein, in dem Menschen aufgrund ihrer Hautfarbe diskriminiert werden“, stellte Hatje darin klar.

Das Hallenbad bleibt nun noch länger geschlossen

Für diesen Monat reicht es damit allerdings immer noch nicht. Denn gestern machte die Nachricht die Runde, dass das Elmshorner Hallenbad, das immerhin bereits seit Mitte 2015 geschlossen ist (ich hatte hier einmal darüber geschrieben) und eigentlich bis Ende 2018 saniert werden sollte, nicht vor 2019 fertiggestellt werden kann. Grund: Bereits die in der Ausschreibung ermittelten Kosten für den Abriss einzelner Gebäudeteile sprengen den engen Finanzrahmen.

Gefangen in Elmshorn – da hilft nur Saunaschwitzen!

Mein Vorschlag zur Güte: Liebe Stadtwerke, damit sich alle von den jüngsten Vodoo-Aktionen gebeutelten Elmshornerinnen und Elmshorner ein bisschen entspannen und erholen können, öffnet doch für den Winter wenigstens die Saunalandschaft wieder. Ich konnte die Entscheidung nachvollziehen, dass der Saunabetrieb während der Umbaumaßnahmen nicht störungsfrei laufen kann und dass die Sauna deshalb vorerst geschlossen bleibt. Doch wenn nun absehbar ist, dass vor März 2019 kein Presslufthammer anrückt, dann ist ja vorerst auch nicht mit Baulärm und -dreck zu rechnen. Und wenn man aufgrund der vielen Baustellen und Zugausfälle ohnehin nicht mehr aus Elmshorn wegkommt, dann sollte man wenigstens die Möglichkeit haben, in aller Stille in der Sauna zu sitzen und den Vodoo-Zauber irgendwie rauszuschwitzen.

 

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