Elmshorn für Anfänger

Geschichten von einer, die auszog, im Hamburger Speckgürtel zu leben. Eine pragmatische Liebeserklärung.

Graue Erbsen: Also ab und zu darf es auch mal was Deftiges sein…

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Zum Glück wird die Elmshorner Spezialität nicht mehr nur am Faschingsdienstag serviert: Gestern Abend konnte ich im Restaurant Marone in Sparrieshoop zusammen mit meinem Mann erstmals graue Erbsen essen. Mein Fazit: Das Essen liegt trotz Schnaps etwas schwer im Magen, schmeckt aber durchaus lecker.

Anders als befürchtet, habe ich in diesem Jahr also nicht das traditionelle Elmshorner Graue-Erbsen-Essen verpasst. Während ich mit meinem Sohn einen kleinen Städteurlaub in Barcelona verbrachte, hatte mein Mann zum Glück einen Tisch im Gasthaus Marone in Sparrieshoop reserviert, wo auch am Sonnabend der Faschingswoche noch Graue Erbsen serviert wurden. Es war mein erster Besuch in diesem Restaurant (und abgesehen von ein paar Rennrad-Trainings, die mich über den Forst Sibirien auch durch Sparrieshoop geführt haben, wohl auch mein erster Besuch in dieser kleinen Gemeinde), und ich wunderte mich zunächst, warum das Restaurant von der einen Straßenseite den Namen „Kastanie“ und von der anderen Straßenseite den Namen „Marone“ trägt. Wie uns die nette Kellnerin erklärte, hatte die Vorbesitzerin des Lokals in der einen Seite (Kastanie) den Festsaal und die Kneipe für die Raucher untergebracht und den anderen Teil des Lokals, in dem das Restaurant untergebracht ist, aufwändiger renoviert und ihm den etwas edleren Titel „Marone“ verpasst.

Sehen aus wie dicke, grobe Linsensuppe – und schmecken auch ungefähr so

Eine Reservierung wäre gestern Abend nicht nötig gewesen, der große Ansturm auf die Grauen Erbsen hatte sich schon gelegt und wir waren beinahe allein im Restaurant. Ich war zum einen gespannt auf das Elmshorner Gericht selbst, als Typ-1-Diabetikerin, die für jede Mahlzeit Insulin spritzen muss, aber auch interessiert an den Auswirkungen der Grauen Erbsen auf meinen Blutzucker. Vorweg gab es leckere, noch warme kleine Brötchen mit Knoblauch-Dip, gefolgt von Grauen Erbsen mit ein paar Scheiben Kasseler und Schweinebacke sowie einer Kochwurst, Petersilienkartoffeln, Senf und Speckstippe. Optisch machen die Grauen Erbsen nicht so viel her: Sie sehen aus wie eine grobe und etwas dick geratene Linsensuppe. Genau genommen schmecken sie auch ein bisschen nach Linsensuppe. Zusammen mit dem Fleisch und der Wurst eine ziemlich deftige Angelegenheit – aber durchaus lecker, sofern ich es nicht jeden Tag essen soll. Die Portion war sehr reichlich, ein Kümmelschnaps danach also Pflicht. Meinem Diabetes gefiel der Ausflug in die hiesige Regionalküche übrigens ausgesprochen gut: Als Hülsenfrüchte führten die Erbsen nur zu einem sehr moderaten Blutzuckeranstieg, mit dem das zuvor gespritzte Insulin gut klarkam.

Zehn Tonnen Graue Erbsen macht 80.000 Portionen – kann das stimmen?

Mein Fazit also: Einmal im Jahr esse ich das sicher gern – doch 2016 möchte ich mich lieber am Faschingsdienstag, wo der Großteil der etlichen Tonnen Graue Erbsen in Elmshorn verputzt wird, ins Getümmel stürzen. A propos Mengen: Als ich das erste Mal über die Tradition des Graue-Erbsen-Essens schrieb, hatte ich im Netz noch die beeindruckende Zahl von sechs Tonnen Graue Erbsen gefunden, die jährlich in Elmshorn konsumiert werden. Kurze Zeit darauf war in der Lokalpresse schon von zehn Tonnen die Rede, die in diesem Jahr in Elmshorn und Umgebung verputzt werden. Das erscheint mir eine gewaltige Menge zu sein, so dass wir gestern Abend einmal nachgerechnet haben: Wenn man davon ausgeht, dass eine Menge von 500 Gramm getrockneten Grauen Erbsen für vier Personen reicht, dann wurden in der vergangenen Woche hier in der Umgebung 80.000 Portionen von dem Traditionsgericht serviert (selbstgekochte und zu Hause gegessene einmal mit eingeschlossen). Dass ausnahmslos jeder Elmshorner und noch 30.000 weitere Menschen je eine Portion gegessen haben, erscheint mir kaum vorstellbar. Entweder gibt es also Hardcore-Fans der Grauen Erbsen, die sich in der Faschingswoche (und ungefähr einen Monat davor und danach) ausschließlich von diesen Hülsenfrüchten ernähren, oder irgendetwas stimmt mit dieser Zahl nicht. Was meint ihr?

2 Kommentare zu “Graue Erbsen: Also ab und zu darf es auch mal was Deftiges sein…

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